Seit 33 Jahren in der Szene und on the Road

 

    Wir schreiben das Jahr 1983. Eine Handvoll jugendlicher Draufgänger macht die Strassen von Wr. Neustadt (Niederösterreich) unsicher. Hauptsache war, die alte Mühle läuft und es wird jedes Wochenende gefahren. Der Rest war egal. Der Clubname lag auf der Hand: „1. Wr. Neustädter Motorradclub“. Ihre Clubzugehörigkeit bezeugten sie durch einen Patch, den in den besten Zeiten 30 Mitglieder auf ihren Lederjacken trugen.

    Es war die Pionierzeit der Motorradclubs in Österreich. 1984 splitteten sich jedoch der „harte Kern“ des 1. Wr. Neustädter Motorradclubs ab und gründeten den ersten colourtragenden MC in Wr. Neustadt. Aus Freundschaft sollte bei ihrem Club Bruderschaft werden. Das Jahr 1984 steht nun als das Geburtsjahr des MC Crusader Austria in der Clubgeschichte. Ab 1985 wurde erstmals mit Colour gefahren, und man gehörte somit zu der, damals noch sehr kleinen Colour tragenden Szene. Rot- Schwarz sind seither die Farben des Clubs. Das Colour zeigt einen Kreuzritter eben einen Crusader auf einem Motorrad...

    Von der damaligen Vision ein eigenständiger MC ohne Vorstand und Verpflichtungen rückte man im Jahre 1986 trotz heftigen Widerstand einiger Member ab und schaffte Clubstrukturen die bis heute noch ihre Gültigkeit haben. Schani, ein ehemaliges Gründungsmitglied fand bald ein standesgemäßes Clubhaus in Bad Fischau, das bis zum heutigen Tag die Heimatbasis für den Club blieb.

    Gerade mal zwanzig Motorradclubs gab es damals in der gesamten Alpenrepublik. Zum Vergleich: heute sind es etwa 650. Es war eine Zeit, in der nicht an jeder Ecke ein Motorrad zu finden war. Motorräder hatten damals etwas Anrüchiges und die Steigerung dazu waren Rocker auf ihren Bikes. Eine gemeinsame Ausfahrt ergab damals auch immer einen Menschenauflauf. So verwunderte es auch nicht, dass „die Crusaders“ mit ihren aufgemotzten Z 1000, Bol Dor`s  oder NSU bald überall bekannt waren. Doch nicht nur in der Gegend rund um ihren Sitz in Wiener Neustadt, sondern auch bald in der kleinen aber feinen österreichischen Clublandschaft.

    Einer der Gründer war Klaus Karpfer. Klaus galt bald als der Szenekenner in der Alpenrepublik. Klaus merkte auch sehr rasch, dass in der Szene etwas fehlte und zwar ein entsprechender Store, den er auch gründete. Anfangs bestand dieser Bikerstore nur aus einem kleinen Raum im Keller seines Elternhauses, allerdings konnte er die Geschäftsidee so erweitern, dass er mehrere Filialen und sogar einen Direktvertrieb aus den USA auf die Beine stellt. Klaus war auch Initiator und Mitbegründer der Zeitschrift des österreichischen Bikermagazins,  „Biker in Österreich“. Der österreichische Motorrad Terminkalender entstand nicht zuletzt auf die Initiative von Karpfer. Er vereint alle Termine in der österreichischen MC Szene, bestand im ersten Jahr aus ein paar kopierten Zetteln und ist mittlerweile ein international begehrtes Nachschlagwerk geworden. 

    Elefantentreffen und Cluburlaube bis an das Nordkap gehörten in diesen Jahren zu den Standartausfahrten jeder Saison. Bei diesen Touren wurden viele Freunde auch außerhalb der heimischen Grenzen gewonnen. Auch kamen die ersten Kontakte mit Crusaders anderer Länder zustande. (Crusader Schweden, MC Crusader Germany).

    Das Jahr 1986 steht auch für das 1. Megatreffen des MC Crusader Austria in Wr. Neustadt. Dieses 1. internationale Motorradtreffen wartete gleich mit einem Novum und einer Eigenerfindung auf, dem  Vespaweitwerfen.  Die Regeln hiezu waren recht simpel: Es galt eine Vespa möglichst weit wegzuschleudern. Zwar überwog bei der Präsentation dieses Bewerbs `86 die Verwunderung, doch siegte der Spaß.

    1989 erlitt der Club durch den tragischen Tod von Member Rudi seinen ersten schweren Rückschlag. Trotz dieses Rückschlages wuchs der Club weiter und festigte sich in der Szene. Dies zeigte sich 1994 beim 10 jährigen Jubiläumstreffen einmal mehr. Über 3.000 Besucher fanden damals, trotz brütender Hitze, den Weg zum MC  Crusader. Top Bands sorgten damals wie heute für Stimmung, und der Getränkeumsatz ging nahezu ins unendliche. Im selben Jahr wurde auch das erste Chapter in Hochneukirchen ins Leben gerufen.

    Seit dem Jahr 1989 gehören Saisonopening und eine  1. Maiausfahrt zum Veranstaltungskalender der Österreicher. Im Jahr 1993 wurde der Kontakt zum HAMC vertieft und bis zum heutigen Tag gepflegt.

    1995 trat der Club der neugegründeten Österreichischen Biker Union „ÖBU“ bei. Die ÖBU ist ein österreichweiter Zusammenschluss vollwertiger MC`s. Ziel der Vereinigung ist es auf demokratischer Basis die Kultur und Aktivitäten der Szene zu fördern, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit der einzelnen MC's zu unterstützen, Kommunikation zu verbessern und das gesamte Bild des Bikertums in eine positive Richtung zu bewegen. Alex, Gründer und damaliger Vice Präsident des MCs,  war von Beginn an als Bundeslandsprecher im südlichen Niederösterreich tätig. Auch heute steht der MC hinter den Regeln der Union wenngleich auch nicht mehr als Mitglied.

    Die Crusaders machten sich jedoch auch in Karitativer Sicht einen Namen. Seit nunmehr 18 Jahren besuchen die Biker zu Weihnachten die Kinderabteilung des städtischen Krankenhauses. Leuchtende Kinderaugen lassen auch noch so coole Biker nicht kalt. Die Crusaders sehen es jedoch nicht als Pflicht sondern als große Freude die Kinder zu besuchen und zu beschenken. Aus den jahrelangen Spenden wurde im Jahr 2004 ein Schiff für die Kinderabteilung angeschafft.

    Ein schwerer Schlag folgte 1999. Aus unbekannter Ursache brannte das Clubhaus bis auf die Grundmauern nieder. Doch es schmerzte nicht nur der materielle Verlust, vielmehr wurden alte Erinnerungen wie Fotos, Gastgeschenke oder Schriftstücke ein Raub der Flammen. Doch was ein wahrer Crusader ist, der kennt kein Jammern. Bereits wenige Tage nach dem Unglück begannen die Aufräumungsarbeiten. Nach 18 Monaten Bauzeit, erstrahlte ein neues Clubhaus.

    Unvergesslich war jedoch auch der Auftritt der Crusaders bei einer Biker Hochzeit. Nach der Trauung kam der Pfarrer mit den Bikern ins Gespräch und erzählte, dass auch er in seiner Jugend Motorradgespann gefahren sei. Besonders angetan hatte es ihm das Goldwing Gespann von Member Schani. Der „Kuttenträger“ machte es sich auch gleich am Bike bequem. Wie es letztlich zu der Verkettung von unglücklichen Umständen kam, ist bis heute unklar. Nur soviel sei gesagt: der Pfarrer zerstörte damals 5 Bikes…

    Denn absoluten Tiefpunkt in der Clubgeschichte stellten die Jahre 2000 und 2001 dar. Fünf Member bzw. Ex-Member verloren bei Unfällen das Leben. Im Jahr 2001 verlor der Club binnen dreier Wochen zwei Member. Am 10. September verunglückte Vice-Secretary Wolfgang auf der Heimfahrt vom Club tödlich. Und nur drei Wochen später, am 2. Oktober wehte bei den Crusader wieder die schwarze Fahne. Präsident Klaus stieß auf dem Weg ins Clubhaus frontal mit einem PKW zusammen. Er war auf der Stelle tot und hinterließ neben seiner Witwe und einem Kind einen schwer geschockten Club. Österreichs Szene war in Trauer. Keiner der Anwesenden wird je die Begräbnisse vergessen, wo sich bedrückende Szenen abgespielt haben. Durch diese tragischen Ereignisse wurde auch auf eine offizielle Clubhauseinweihung verzichtet. In dieser Zeit zeigte sich einmal mehr, dass der Zusammenhalt innerhalb des Clubs durch diese Ereignisse noch intensiver wurde. Die „überlebenden“ sieben Member wuchsen nach diesen Ereignissen zu einer noch engeren Bruderschaft zusammen. Noch engere Freundschaften zu Clubs wie zum Vipers MC Austria wurden ausgebaut. Als hätte sie das Schicksal nicht schon arg genug bestraft, stehen 2002 die Crusaders wieder vor dem Grab eines Bruders. Member Connor verunglückt mit seinem Motorrad tödlich.

    Durch die Veränderungen in der Szene wurden auch die alljährlich veranstalteten „Iron Days“ dementsprechend angepasst. Die Philosophie die der Club vertritt ist relativ einfach zu verstehen. Weg von Kommerz und Jahrmarkttreiben. Zurück zu den Anfängen – lieber etwas kleiner aber dafür eine Party von Biker für Biker. Trotz der Turbulenzen in den letzten Jahren wurde auf Cluburlaube und Ausfahrten zu verschiedenen Clubs nicht verzichtet. Den Kontakt zu ehemaligen Mitgliedern lassen sie Jahr für Jahr wieder aufleben. Beim jährlich statt findenden sogenannten Veteranentreff gibt es ein freudiges und feucht fröhliches Wiedersehen.

    Heute stellt sich der MC Crusader Austria als kompakter Club in der Szene dar. Dadurch dass das Gro der Member bereits die 40er Schallmauer durchbrochen haben und mit beiden Beinen im Leben stehen ergibt sich auch innerhalb des Clubs eine Harmonie und Einheitlichkeit die den Club nach außen auch Glaubwürdig und organisiert darstellt. Als Sprungbrett zum Club sehen die Crusaders ihre „red and black Guy`s“. Mit einem einteiliges Colour stellen sie eine Gruppe dar, die mit den  Crusaders eng verbunden sind.

    Freundschaft Ehre Treue und der Weiterbestand des Clubs  stehen an oberster Stelle bei den Clubaufgaben. Auch der Kontakt zu befreundeten Crusader MCs auf der ganzen Welt konnte in den letzten Jahren ausgebaut werden. So gibt es immer wieder Besuche und Gegenbesuche des Crusader Schweden MC, Crusader Germany sowie die enge Freundschaft mit den in Spanien beheimateten  Cruzados. Auch die Crusader MC South Afrika  und der älteste Crusader MC in Idaho, USA since 1969 sowie Dark Crusader MC in Polen, Slovakia und Canada ist von Bedeutung für Österreichs Crusader.

Auch werden  bei den Crusaders MK. Kroatien schöne Feste gemeinsam gefeiert.

    Das  25. Clubjubiläum auf dem Festgelände in Bad Fischau entwickelte sich zu einem ein Szenetreff. Zur großen Freude der Kreuzritter kamen 37 Motorradclubs um zu gratulieren und den Respekt zu erweisen. Was die Zukunft bringen wird ist ungewiss. Die Crusaders werden ihrer Linie treu bleiben, getreu ihrem Leitspruch:

MC Crusader Austria till the end...

 

Präsident, Juli 2009